Rubrik Berichte
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England_2005
Kurztrip nach Südwestengland
Ursprüng
lich
wollte ich nur kurz einen ehemaligen Arbeitskollegen besuchen, der zur
Zeit bei VW-UK beschäftigt ist. Durch einen Reisebericht in einer
Motorradtourenzeitschrift animiert, wurde daraus ein mehrtägiger Trip in
den Südwesten von England.
Die Fährpassage von Cuxhaven nach Harwich (wird Ende 2005 eingestellt) buchte ich online einige Monate zuvor
bei
DFDS
Seeways. Da man sich sonst nichts gönnt :-) , gab es die COMMODORE class - etwas teurer,
dafür stehen kostenlos Tee, Knabbereien und gekühlte Getränke bereit.
Außerdem könnte man sich das Frühstück in die Kabine servieren lassen,
alternativ gibt es einen Gutschein für den Frühstücksraum.
Walter K., aus Hildesheim, hatte beim Buchen Wochen später weniger Glück
und bekam eine Vierbettkabine, die er jedoch glücklicherweise allein
nutzen konnte. Mit vier Leuten wäre es sehr eng geworden.
Hinweis zur Fähre: die Motorräder mussten mit den
herumliegenden Tauen selbst gesichert werden. Es empfiehlt sich die Mitnahme von
Spannriemen!
Die Fähre legte am Samstag, 18.06.2005, um ca.17 Uhr ab
und kam am Sonntag um ca. 11.30 Uhr in Harwich an. Das Wetter war und
blieb die vier Tage in (Südwest-) England gut, sonnig, zwischen 24 und
33 º Grad C warm.
Nach dem Anschalten des GPS Garmin 276C stellte ich positiv überrascht fest, dass
auch das Einbiegen in den Kreisel dem Linksverkehr entsprechend angezeigt
wurde.
Anmerkung zum GPS für die Kritiker vom elektronischen
"Gedöns" :-): äußerst praktisch, wenn man halb England sowie die für den
Hin- und Rückfahrt eventuell benötigten Abschnitte Deutschlands,
Belgiens, der Niederlande und Frankreichs inklusive sämtlicher
Stadt-/Dorfpläne, Sehenswürdigkeiten, Tankstellen, usw. in nur 400 Gramm
Technik verpackt dabei hat. So lässt sich manchem Stau schneller entkommen
und/oder Ziele ohne langes
Suchen und Fragen finden. Zusätzlich ließ sich die gesamte Tour von
2.000 km aufzeichnen.
Gestartet wurde in Richtung Südwestküste. Der Linksverkehr stellte kein
Problem da, eher allerdings die mit 110 km/h recht geringe erlaubte
Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn. Trotz der drohenden empfindlichen
Strafen sind wir bei 33 º Grad C zur Kühlung
:-) weitaus zügiger gefahren.
Nach ein
igen Stunden und ca. 370 km kamen wir am späten
Nachmittag an der Westküste (Bristol Channel) von England in Weston Bay,
ca. 45 km südwestlich von Bristol, an. Die Suche nach einer Unterkunft,
B&B - bed and breakfast, gestaltete sich anfangs schwieriger als erwartet. Was wir
zu diesem Zeitpunkt nicht wussten und sich erst später aufgrund Nachfrage, warum uns Hundertschaften von
Teenies begegneten, herausstellte: zuvor gab es ein großes Festival, bei
dem auch das Fernsehen dabei war.
Nach einigen Suchen fand sich eine B&B Unterkunft mit sauberen Zimmern (30 Pfund). Etwas
ungewöhnlich war die Bedienung der Dusche, die man durch ein außerhalb der
Duschkabine gelegenes "Zugband" anschalten musste. Das Frühstück
war gut, wobei man in England immer mit Toast vorlieb nehmen muss.
Am Abend liefen wir zu Fuß durch die Stadt. Dabei kamen uns die oben
erwähnten Mengen Jugendlicher
entgegen.
Am Strand fanden sich eine ins Meer gebaute Spielhalle mit
Imbiss. Für englische Verhältnisse waren fish & chips (Pommes Frites) mit
gut 3 Pfund relativ günstig.
Ansonsten ist England aufgrund des Devisenkurses (1 Pfund = 1,5 Euro) teuer. Eine Eiskugel oder ein einfaches Softeis bekommt man - außer bei
McDonald (99 Pence) - nicht unter 1,2 Pfund.
Nach dem english breakfast (Toast, Eier, Würstchen, Tomaten, Bohnen)
ging es am frühen Morgen am Me
er
entlang westwärts. Dabei benutzten wir extrem schmale, kleine Straßen, die
teils rechts und links von
hohen Hecken umgeben waren. Wir fuhren bis Minehead, ca. 75 km entfernt
und entschlossen uns dann, die ursprünglich geplante Route stark
abzukürzen. Es ging weiter auf schmalen Landstraßen durch den
Exmoor National Park bis Tiverton, nach Osten an Taunton vorbei bis
Stonehenge. Die
sagenumwitterten Steine konnten wir leider nur von weiten besichtigten.
Aufgrund des am Abend stattfindenden Festival des
längsten Tages war am Nachmittag der Zugang für Touristen gesperrt. Als
wir kurz parkten, wurden wir von einer im Mannschaftsbus (8 Frauen)
Patrouille fahrenden Polizistin freundlich aufgefordert, weiter zu fahren.

Nach einigen Fotos ging es weiter nach Amesbury, wo wir nach Süden abbogen
und über Salisbury nach Southampton fuhren. Auf der Suche nach B&B
tuckerten wir bis Gosport, dem Ufer von Portsmouth
gegenüberliegend. Nachdem wir es bei einem Hotel versuchten und erfuhren,
dass alles ausgebucht war, bekamen wir den Geheimtipp, dass etwas
weiter jemand Zimmer vermietet, ohne dass ein B&B Schild darauf hinweist.
Für 50 Pfund bekamen wir
ein großes Familienzimmer mit zwei Doppelbetten, einem
Kinderbett (Glück für Walter ;-)
)
sowie Dusche, Toilette, Fernseher und
dem obligatorischem englischen Frühstück. Wie wir am nächsten Morgen
erfuhren, handelte es sich um ein Unternehmerehepaar, dass gern Gäste
aufnahm. Von ihnen gab es den Tipp, die (Fußgänger-) Fähre für die
Besichtigung der 104 Kanonenfregatte Victoria aus dem Jahre 1759 zu
nehmen.
Am nächsten Morgen fuhren wir bis zum Hafen von Gosport zur
Fähre. Wie sich herausstellte, konnten
die
Motorräder auf die eigentlich für Fußgänger, Fahrrad- und Mopedfahrer
gedachte Fähre mitgenommen werden. Allerdings war ich zunächst etwas
skeptisch, da es durch zwei schmal aussehende Türen seitwärts auf
die Fähre ging. Wir mussten schieben, da der Motor nicht
gestartet werden durfte. Wider Erwarten klappte es dennoch.
Nach erfolgreichem Entladen der Motorräder fuhren wir zur Besichtigung der
Victoria. Wie sich herausstellte, lag sie gleich um die Ecke in einem
Trockendock. Von ferne konnte der englische Flugzeugträger mit
den senkrecht startenden Harrier-Jets gesehen werden. Aufgrund des enormen
Flugverkehrs (alle paar Minuten Kampfhubschrauber und/oder große
Transporthubschrauber) vermuteten wir zunächst, die Besatzung würde ihre
Einkäufe via Flug erledigen. Dem war nicht so. Für Ende Juni wurden die Königin sowie Kriegsschiffe aus dem Ausland
zum "Festival of the Sea" erwartet. Deshalb fanden Übungen
statt.



Wie für fast alle Sehenswürdigkeiten in England, sind auch für die
Besichtigung der Victoria ein paar Pfund zu bezahlen. Dabei hat man die
Wahl zwischen dem "großem" Ticket, das die Besichtigung eines weiterem im
letzten Jahrhundert gebautem Schiffes, der Mary Rose, einschließt, und dem
einfachen für Museum und Victoria. Wir nahmen aufgrund der Zeitknappheit
und der Hitze das einfache, 12 Pfund teure Ticket für die Victoria. Diese
wurde 1759 fertig gestellt, sieht innen wie außen aus wie neu und wirkt
nicht nur wegen der 104 je 1,5
Tonnen schweren Kanonen beeindruckend.




Anschließend ging es überwiegend am Meer entlang nach Brighton und
anschließend in
Richtung Folkestone, dem Tunnelausgangspunkt. 20
Meilen davor fanden wir eine B&B Pension i
n sehr ländlicher
Umgebung
.
Allerdings war der Preis für die Übernachtung mit 25 Pfund pro Person
nicht preiswert, zumal die Toilette sowie die Wanne -
Dusche gab es nicht - auf der Etage lag. Dafür gab es einen Teekocher und
Tee. Imponierend war der Riesengarten sowie die Inneneinrichtung. Zum
Abendessen gingen wir 3 Kilometer zum nächsten Dorfgasthof. Das Essen war
gut, der Salat frisch, aber auch hier nicht gerade preiswert.

Am nächsten Tag fuhren wir gemütlich nach
Folkestone und von dort aus mit dem 12 Uhr-Zug in 35 M
inuten
durch den Kanaltunnel nach Calais.
Im Internet wurden für Motorrad und Fahrer 50
Pfund Transportgebühren
ausgeschrieben. Der tatsächliche Preis vor Ort betrug dann am Mittwoch
77 Pfund.
Vorteil der Tunnelnutzung: das Motorrad braucht nicht befestigt zu werden,
einfach auf den Seitenständer abstellen und Gang einlegen.
Aufgrund der Hitze von über 32 º Grad hatte
ich keine Lust mehr zu einem Parisbesuch, zumal ich dor
t einige Male
gewesen war. Das allerdings mit Flugzeug bzw. Auto und nicht
mit dem Motorrad.
Also ging es die knapp 800 km zügig nach Hause, wo ich
um 22 Uhr eintraf.
Fazit: Wetter, Umgebung, Straßen und
Sehenswürdigkeiten super, Preis-/Leistungsverhältnis Essen/Unterkünfte:
mangelhaft.
Uwe M. Schröder